Schloss Trebsen im Wandel der Zeit



Der Fund von Keramikscherben legt nahe, dass der Ort Trebsen bereits im 5./6. Jahrhundert von Germanen und später von Slawen besiedelt war. 

Im 10. Jahrhundert lag die Mulde im Grenzgebiet zwischen den slawischen Siedlungsgemeinschaften Gau Chutizi und Gau Daleminzier. Ein viel genutzter Handelsweg dieser Zeit führte über die Trebsener Muldenfurth. Es ist äußerst wahrscheinlich, dass ein solch wichtiger Punkt besonderem Schutz unterlag und dass deshalb am Standort des heutigen Schlosses eine aus Erdwall und Holzpalisaden bestehende Burg errichtet wurde. Auch aus der Zeit des 10. und 11. Jahrhunderts hat man in der Gegend um Schloss Trebsen weitere Keramikscherben gefunden.

Wenn man Historikern um 1900 Glauben schenken kann, wurden Burg und Ort Trebsen bereits 991 urkundlich als Sitz des Gaugrafen Bucelin erwähnt. Falls dieser Bucelin identisch ist mit Dedo dem Ersten (960-1009) Graf von Wettin vom Stamm der Buzicer, so sollte diese Annahme durchaus den Tatsachen entsprechen. 

Wahrscheinlich wurde im 12. Jahrhundert dann eine Wasserburg aus Stein auf den Festen des Slawensitzes errichtet. Eine erste amtliche Erwähnung ihres Herren Ritter "Heinricus de Trebecin" findet sich in einer Urkunde des Bischofs Berthold von Naumburg - ausgestellt am 1. Mai 1161. Die heute noch vorhandenen Burgmauern und die Reste eines einstmals gewaltigen, 30-50m hohen und 17m breiten Bergfrieds zeugen von der Wehrhaftigkeit der Anlage und der wirtschaftlichen Macht ihrer frühen Besitzer. Die Familie de Trebezin erlosch im 15. Jahrhundert.



1330 wurde Burg Trebsen mit dem gesamten Lehen an die Familie von Große zu Dobelin (Döbeln) verkauft. 1424 befreite Friedrich von Große die Einwohner Trebsens von Frondiensten. Allerdings nicht umsonst. Als Gegenleistung erhielt der Schlossherr fortan jährlich eine Tonne Heringe.
 

Zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert, also der Zeit der "deutschen Landnahme",  gab es in der Region um Trebsen einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung.
 

Ab 1494 übernimmt mit dem Ritter Georg von Saalhausen, einem Bruder des Meißner Bischofs Johann VI., ein neuer Eigentümer die Herrschaft in Trebsen. Er lässt die Gebäude der Burg schleifen, um einen für diese Zeit modernen und repräsentativen Schlossbau ohne Verteidigungsfunktion inmitten der Burgmauern zu errichten.

Um 1511 gefällt es dem kurfürstlichen Kammerherren Hans von Minckwitz  in die Rolle des Schlossherrn zu schlüpfen. Seine Söhne, Nikel, Hans der Mittlere und Abraham beenden die erste große Bauphase von Schloss Trebsen. Seither zieren beeindruckende Diamantgewölbe das untere Geschoss der vierflügeligen Anlage und die sogenannten spätgotischen Staffelgiebel prägen das äußere Erscheinungsbild. 

Die Gebrüder Minkwitz galten als Förderer der Reformation, waren mit einem gewissen Reformator namens Luther bekannt und betrauten bereits 1521 – also in den ganz frühen Jahren der Reformationsbewegung – den evangelischen Pfarrer Caspar Zehner mit der Leitung der Trebsener Kirchgemeinde. 

Wirtschaftlich entwickelte sich die Familie Minkwitz zur mächtigsten Adelsfamilie im Amt Grimma. Ihr gehörten unter anderen umliegende Dörfer Neichen, Pauschwitz, Walzig, Rothersdorf, Wednig, halb Nerchau, Nitschka und Kloster Eicha mit allen zugehörigen Gütern. Die Pläne eine Muldenbrücke zu bauen vereitelten Grimma und Wurzen.  

Ab 1540 mussten die von Minkwitz ihre Lehen wegen hoher Verschuldung wieder veräußern. 

1584 verkauften ihre Gläubiger Schloss Trebsen an die Grafen von Barby. 

1592 übernimmt Georg von der Schulenburg die Herrschaft in Trebsen. 

Der Dreißigjährige Krieg war für Trebsen und Umgebung verlustreich. Allein in den Monaten Juni und Juli des Jahres 1637 starben in Trebsen 64 Einwohner. 

1637 fiel der ehe- und kinderlose Schlossherr Albrecht von der Schulenburg der Pest zum Opfer. Im selben Jahr übernahm die Familie von Dieskau Schloss und Herrschaft von Trebsen.



1756 wurde der Adelssitz an Dr. Vincent Baumann, einen Hamburger Kaufmann, veräußert. Dr. Baumann lässt den noch vorhandenen Bergfried um 1783 größtenteils abtragen und mit dem gewonnenen Baumaterial den Südflügel verbreitern und aufstocken. Er restauriert die spätgotische Stiftfassade, verändert die Architektur im Stile des Barock und lässt eine, heute noch in Teilen erhaltene, Parklandschaft im englischen Stiel anlegen.
 Schloss Trebsen gehörte inzwischen zu den größten Rittergütern Sachsens.

Die vorerst letzten Eigentümer waren ab 1886 Gustav Lehmann und ab 1892 der Rittmeister a.d. Georg von Zimmermann.


1910 lässt Georg von Zimmermann den Schlosshof vom Architekten Schulze Naumburg und seinen Saalecker Werkstätten umgestalten.


1945 bringt der Krieg Plünderung und Vandalismus. Amerikanische und russische Soldaten und die Bevölkerung trugen fort, was nicht eingemauert war.  

1947 erfolgte im Zuge der Bodenreform die Enteignung. Die Verwaltung des nunmehr volkseigenen Besitzes oblag fortan der Stadt Trebsen. Desolate Dächer und die oberen Zwischendecken vom Nord und Ostflügel wurden abgerissen. Der Rest des Schlosses wurde über 40 Jahre lang unter anderem als Wohnraum für Flüchtlinge, als Kindergarten, als Seniorentreff und von der Freiwilligen Feuerwehr genutzt.

Anfang der 90er Jahre befand sich das Schloss in einem bedauernswerten Zustand. 
Dies änderte sich 1992 mit dem Einzug des "Fördervereins für Handwerk- und Denkmalpflege e.V. Schloss Trebsen". Es entstand ein Zentrum für Denkmalpflege mit einem Kursangebot, dass das Erlernen traditioneller Handwerkskunst ganz praktisch mit der behutsamen Restaurierung des Schlosses verband. Der Nord-und Ostflügel wurden mit Fördermitteln wieder aufgebaut, der historische Wassergraben, den die "Jahrtausendflut" der Mulde schon teilweise freigespült hatte, ausgebaggert.  

2008 schlossen sich die Fördertöpfe und der Förderverein musste den Pachtvertrag mit der Stadt Trebsen kündigen. 


2010 übernimmt Jochen Rockstroh die Schlossherrschaft und verfügt, dass wieder Leben einziehen soll ins Schloss. Gemeinsam mit dem Architekten Andreas Leipold schmiedet er Pläne, um das 500 Jahre junge Schloss zu erhalten und auf wirtschaftlich solide Füße zu stellen. Ihre Gedanken und Visionen kreisen um die Einrichtung des gastlichen Restaurants, die Gestaltung historischer Räume zum Heiraten und Feiern, die Planung einladender Hotel- und Wellnessbereiche, praktische Küchen, moderne Wirtschaftsräume, Einhaltung von Brand- und Lärmschutzvorschriften, Denkmalschutzwünsche, Parkplätze, Strom- und Wasseranschlüsse, Heizungsanlagen und viele andere wichtige Dinge, die den Behörden und in naher Zukunft auch zufriedenen Hotelgästen eine erholsame Nachtruhe bescheren werden.

Ostern 2012 wurden Erdgeschoss und Nordflügel vom Bauamt Grimma zur gastfreundlichen Benutzung freigegeben. Seitdem kann man in dem historischen Ambiente von Schloss Trebsen wieder geschmackvoll schlemmen, stilvoll heiraten, ausgelassen feiern und so manch einfach köstliche Veranstaltung erleben.


Geheimnisvolles Diamantgewölbe



Das architektonische Kleinod des Schlosses bilden die herrlichen Zellen- und Diamantgewölbe im Erdgeschoß. Die vielfach gebrochenen Wabendecken gehören zu den großartigsten Bauleistungen des späten Mittelalters und galten im 15. Jahrhundert als Sensation an den europäischen Fürstenhöfen. Die Ausführung dieser seltenen Bauweise gibt Historikern bis heute Rätsel auf. Für Forscher und Besucher ist es deshalb ein Glücksfall, dass man in der Kapelle von Schloss Trebsen die kunstvolle Ziegelbauweise ohne verdeckenden Putz bestaunen kann.

Entwickelt wurde die geheimnisvolle Mauertechnik vom Erbauer der Meißener Albrechtsburg, dem Landesbaumeister Arnold von Westfalen.